Thema Schule

20.06.2026

Unterschiede zwischen der deutschen und der schwedischen Schule

Das schwedische Schulsystem unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich vom deutschen.
In Schweden besuchen alle Kinder zunächst die Grundschule (Grundskola), die von der 1. bis zur 9. Klasse reicht. Danach wechseln die meisten Schülerinnen und Schüler auf das Gymnasium (Gymnasiet), das drei Jahre dauert und den Klassen 10 bis 12 entspricht. Rund 80 bis 90 Prozent eines Jahrgangs besuchen anschließend das Gymnasium.

Ein weiterer Unterschied betrifft die Rolle der Lehrkräfte. In den ersten Schuljahren haben die Kinder meist eine feste Klassenlehrerin oder einen festen Klassenlehrer, die beziehungsweise der viele verschiedene Fächer unterrichtet. Dadurch entsteht eine enge Beziehung zwischen Lehrkraft und Klasse. Nur einige Fächer, wie beispielsweise Sport oder bestimmte praktische und kreative Fächer, werden von Fachlehrkräften übernommen.

Nach einigen Schuljahren wechseln die Schülerinnen und Schüler zu einer neuen Klassenlehrkraft und erhalten nach und nach mehr Fachlehrkräfte. Das System unterscheidet sich damit von Deutschland, wo bereits in der Grundschule häufiger verschiedene Lehrkräfte für unterschiedliche Fächer eingesetzt werden.

Klassenarbeiten

Ein weiterer Unterschied ist die Unterrichts- und Prüfungskultur. In Schweden gibt es weniger klassische Klassenarbeiten als in Deutschland. Die Leistungen werden häufig durch Projekte, Präsentationen, Gruppenarbeiten und kleinere Tests bewertet. Zusätzlich gibt es nationale Prüfungen ("Nationella prov") in bestimmten Jahrgangsstufen und Fächern. Rojan hat jetzt in der 3. Klasse seinen ersten Nationellen Prov geschrieben und überall ein ”Godskänt” erhalten. 

Hausaufgaben 
Auch beim Thema Hausaufgaben gibt es Unterschiede. Nach meiner Erfahrung erhalten viele Kinder in Schweden deutlich weniger Hausaufgaben als in Deutschland. Oft werden Hausaufgaben nur einmal pro Woche aufgegeben. Der Schwerpunkt liegt darauf, dass die Schülerinnen und Schüler die meisten Aufgaben bereits während der Schulzeit erledigen.

Eine Lehrerin berichtete mir, dass Eltern häufig kritisch reagieren, wenn regelmäßig Hausaufgaben an mehreren Tagen pro Woche aufgegeben werden. Viele Familien legen Wert darauf, dass die Kinder nach der Schule genügend Zeit für Freizeit, Sport, Hobbys und die Familie haben.

Lehrer werden mit dem Vornamen angesprochen 

Auch das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern ist oft lockerer. Lehrkräfte werden meist mit ihrem Vornamen angesprochen, was in Deutschland eher unüblich ist. Außerdem wird großer Wert auf selbstständiges Arbeiten, Teamarbeit und die Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler gelegt.

Schulessen 

Ein weiterer Unterschied ist das gemeinsame Schulessen. In Schweden erhalten alle Schülerinnen und Schüler kostenlos ein warmes Mittagessen in der Schule. In Deutschland müssen Familien das Mittagessen häufig selbst bezahlen oder die Kinder bringen ihr Essen von zu Hause mit.
Bei Schulausflügen gibt es dann auch meist ein Lunchpaket, was aus einem Trinkpäckchen, einem Apfel und einem belegten Brötchen besteht, mit. 

Lernmaterial ist gratis

Ein weiterer großer Vorteil des schwedischen Schulsystems ist die kostenlose Bereitstellung aller Lernmaterialien. Die Schülerinnen und Schüler erhalten von der Schule alles, was sie für den Unterricht benötigen: Schulbücher, Hefte, Stifte, digitale Geräte und weitere Arbeitsmaterialien. Eltern müssen in der Regel keine zusätzlichen Kosten für die Grundausstattung ihrer Kinder tragen.

Dadurch haben alle Kinder die gleichen Voraussetzungen für das Lernen, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familie. Dies trägt zur Chancengleichheit bei und entlastet gleichzeitig die Eltern.

Insgesamt gilt das schwedische Schulsystem als weniger hierarchisch und legt großen Wert auf Gleichberechtigung, Eigenverantwortung und eine angenehme Lernatmosphäre.


Was sind nationellt provs überhaupt ? 

In Schweden gibt es nationale Prüfungen, die sogenannten "Nationella prov". Diese werden in bestimmten Klassenstufen durchgeführt und dienen dazu, den Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu überprüfen. Die Ergebnisse helfen den Lehrkräften bei der Bewertung, sind jedoch nicht allein ausschlaggebend für die Endnote. Im Vergleich zu Deutschland gibt es insgesamt weniger große Klassenarbeiten, dafür spielen die Leistungen aus dem gesamten Schuljahr eine größere Rolle.

Die Prüfungen finden in bestimmten Jahrgangsstufen und Fächern statt, zum Beispiel:

  • Klasse 3: Schwedisch und Mathematik
  • Klasse 6: Schwedisch, Englisch und Mathematik
  • Klasse 9: Schwedisch, Englisch und Mathematik

Je nach Fach bestehen die Prüfungen aus verschiedenen Teilen, beispielsweise Lesen, Schreiben, Hörverstehen, mündlichen Aufgaben und Mathematikaufgaben.


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